Rezension
Der Glockenexperte – Nachhall




Der Glockenexperte - Nachhall

Der Glockenexperte – Nachhall

Ein kräftiger Nachhall

 

Erinnerungen an den pfälzischen Glockenexperten Theo Fehn

 

Zweibrücken (hv) „Theo Fehn 1910 – 1984 gestaltete nach dem Zweiten Weltkrieg die pfälzische und saarländische Glockenlandschaft neu. Er lebte in diesem Pfarrhaus von 1948 – 1974.“ Eine Bronzetafel mit dieser Inschrift und dem Profilporträt des Geehrten – geschaffen von dem bekannten pfälzischen Bildhauer Prof. Erich Koch – ziert seit November vergangenen Jahres das protestantische Pfarrhaus von Tiefenthal. Entdeckt hat der Historische Verein Zweibrücken diese Nachricht beim Blättern in neu erschienener Pfalzliteratur in einem 80-Seiten-Bändchen. „Nachhall“ ist sein Untertitel. Es ist der Nachhall, oder nennen wir’s Echo, auf das Theo Fehn und seinem unermüdlichen und bis heute nachwirkenden Schaffen gewidmete dreibändige Werk „Der Glockenexperte“.

Und es ist ein ungemein lebendiges Echo, das „Der Glockenexperte“ und die Biographie „Sirene und Glocke“ bei ihrem Erscheinen hervorgerufen haben. Das beweist der „Nachhall“ eindrücklich und bestätigt damit, dass Gertrud Fehn als Herausgeberin mit diesen dokumentarischen Bänden ihrem Mann und seinem hochgradigen fachlichen Wirken ein gültiges Denkmal gesetzt hat. Ein ganz eigenes und dazu einzigartiges Denkmal seines Schaffens hat Theo Fehn mit dem 1959 enstandenen achtstimmigen Geläute der Speyerer Gedächtniskirche selbst hinterlassen – es ist „eine Glockensymphonie in Bronze“. Jede der acht Glocken trägt das Monogramm von Theo Fehn, „ihr Klang ist sein Werk“.

Der aus Speyer stammende Pfarrer Theo Fehn wurde nach dem Zweiten Weltkrieg amtlicher Glockenschaverständiger der Protestantischen Landeskirche der Pfalz. Nicht weniger als neunzig Prozent der Kirchen in Pfalz und Saar waren während des Krieges ihrer Bronzeglocken beraubt worden, die zu Waffen umgeschmolzen wurden. Somit erwuchsen Fehn nach 1945 vielfältige Aufgaben. Die stumm gewordenen Kirchtürme sollten neue, qualitätvolle Glocken erhalten und zerstörte Kirchen brauchten nach ihrem Wiederaufbau neue, klangschöne Geläute. Dabei erwarb sich Theo Fehn als „einer der kompetentesten und kreativsten Glockenfachleute der Nachkriegszeit“ einen hervorragenden Ruf. Als „der intellektuelle Kopf unter den deutschen Campanologen“ habe er dem gesamten deutschen Glockenwesen wertvolle Impulse gegeben, werden sein Experimentieren und Forschen gerühmt. All das lässt der schmale „Nachhall“ breit nachklingen.

Heinz Weinkauf, „Pfälzischer Merkur“, Februar 2013