Der Glockenexperte, Band III,
Bochumer Gußstahlglocken




Der Glockenexperte, Band III

Die Geschichte der Bochumer Gussstahlglocken ist in Band III „Der Glockenexperte, Theo Fehn“ dokumentiert.

 

Als um 1850 der Stahlguss in Bochum von Jakob Mayer erfunden und auch eine Glockenform gefüllt wurde, war die Sextglocke geboren. Sie hatte Freunde und Feinde. Die Bronzeglocken mussten im I. und II. Weltkrieg abgeliefert werden, die Gußstahlglocken blieben in den Türmen und taten weiterhin ihren Läutedienst. 1937 entwickelte der BV auch die von den meisten Sachverständigen gewünschte Oktavglocke.

 

Nach Kriegsende 1945 wollten alle Gemeinden schnell wieder neue Glocken für ihre verwaisten Türme zum Zeichen des Friedens und des Wiederaufbaus. Aber Kupfer und Zinn für den Bronzeguss wurden nicht nach Deutschland eingeführt. So griff man zu den Austauschmetallen.

 

In Bochum waren alle Unterlagen zur Herstellung der Gußstahlglocke durch Brandbomben vernichtet. Die von den Kirchenregierungen ernannten Sachverständigen, die für die neuen Geläute in den Gemeinden zuständig waren, forderten die Oktavglocke. So begann man in Bochum mit der neu entwickelten V12-Rippe Oktavglocken zu gießen, die aber mehr „stapften“ als klangen und zusätzlich mit der Schlagtonsekunde behaftet waren. 1950 folgte der V12-Rippe bereits die V7e-Rippe, eine gute Molloktavrippe. Ab 1958 stand zusätzlich noch eine Duroktavrippe zur Verfügung.

 

Theo Fehn beobachtete von Anfang an mit großem Interesse diese Entwicklung. Er kritisierte, gab Ratschläge zur Verbesserung des Klangs, brachte neue Ideen ein und forderte immer wieder den Guss der Sextglocke. Direktor Heuvers war Fehns Ratschlägen gegenüber aufgeschlossen und kam seinem Wunsch nach. Er goss ab 1948 wieder Sextglocken. Eines dieser ersten Sextgeläute, die gleich wohlklingend aus der Form kamen, bestimmte Fehn für seine neue Pfarrei Tiefenthal in der Pfalz. Er hatte seine Freude an diesen Glocken bis zu seinem Wegzug 1974.

 

Mit der Vielfalt der Bochumer Glockenrippen konnte Fehn neue Geläutedispositionen kreieren. In Mechtersheim bei Speyer erregte ein kleines, vierstimmiges Geläute aus einer Molloktav-, Duroktav-, Sext- und Septimglocke Aufsehen. Das Geläute von Albisheim an der Pfrimm, das Sie jetzt hören, 1958 gegossen und bestehend aus einer Oktav-, einer Septim- und zwei Sextglocken fanden selbst manche Stahlgegner reizvoll. Fehn bemerkte in Gutachten, „dass hier mit den Dispositionsmöglichkeiten wohl einstweilen der Stahlguss den Bronzeguss überrundet hätte.“

 

Welche dramatischen Auswirkungen Fehns Feststellung hatte, können Sie in der Broschüre „Nachhall“ weiterlesen.

Gertrud Fehn